Taschengeld Kinder

Taschengeld Kinder: Wie viel ist angemessen? Tabelle 2026 + was wirklich funktioniert

Es war ein ganz normaler Samstagmorgen. Mein Kind stand vor mir, Unterlippe zitternd, und sagte: „Aber alle anderen kriegen viiiel mehr Taschengeld als ich.“ Ich hatte keine Ahnung, ob das stimmte. Zu viel? Zu wenig? Was ist eigentlich angemessen?

Ich glaube, diese Frage kennen die meisten Eltern. Taschengeld klingt simpel und ist es in der Praxis oft nicht. Bei uns hat es eine Weile gedauert, bis wir einen Rhythmus gefunden haben, der für alle funktioniert. Wir haben zu viel gegeben, dann zu wenig, dann vergessen auszuzahlen, dann gab es Streit weil das Geld schon am zweiten Tag weg war…

Heute läuft es rund. Und in diesem Artikel teile ich, was uns geholfen hat: die aktuellen Empfehlungen, die wichtigsten Regeln und einen kostenlosen Taschengeld-Tracker, mit dem Kinder selbst den Überblick behalten.

Wie viel Taschengeld ist angemessen? Die Taschengeldtabelle 2026

Die gute Nachricht: Du musst das Rad nicht neu erfinden. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) gibt regelmäßig Empfehlungen heraus, die sich an Alter und Lebenssituation orientieren. Sie sind kein Gesetz, aber eine sehr hilfreiche Orientierung.

Hier sind die aktuellen Empfehlungen des DJI (Stand: 2024/2025):

AlterEmpfohlener Betrag
4–5 Jahre0,50–1,00 € pro Woche
6–7 Jahre2–3 € pro Woche
8–9 Jahre3–4 € pro Woche
10–11 Jahre15–25 € pro Monat
12–13 Jahre20–30 € pro Monat
14–15 Jahre25–45 € pro Monat
16–17 Jahre40–60 € pro Monat
Ab 18 Jahre55–75 € pro Monat

Quelle: Deutsches Jugendinstitut (DJI), München. Die Empfehlungen werden regelmäßig aktualisiert und gelten als Richtwerte. Nach oben oder unten kann je nach Familiensituation angepasst werden.

Diese Beträge klingen für manche vielleicht überraschend niedrig, besonders bei den Kleinen. Aber darum geht es beim Taschengeld in jungen Jahren gar nicht ums Kaufen. Es geht ums Lernen: Was kostet etwas? Wie lange muss ich sparen? Was ist mir wirklich wichtig?

Ähnlich wie beim Taschengeld gibt es auch für Bildschirmzeit klare Altersempfehlungen. Lies hier mehr dazu.

Wöchentlich oder monatlich auszahlen?

Das hängt vom Alter ab und das macht absolut Sinn. Kleine Kinder denken in kurzen Zeiträumen. Eine Woche ist für ein 6-jähriges Kind eine gefühlte Ewigkeit. Ein Monat ist kaum vorstellbar.

  • Unter 10 Jahren: wöchentliche Auszahlung empfohlen
  • Ab 10–12 Jahren: monatliche Auszahlung sinnvoll
  • Ab Teenageralter: monatlich, damit sie lernen zu planen

Bei uns war der Wechsel von wöchentlich auf monatlich ein echter Meilenstein. Unser Kind musste plötzlich selbst ausrechnen: „Wenn ich das jetzt kaufe, reicht es bis Ende des Monats noch für…?“ Genau das ist die Lektion, die zählt.

Die 5 wichtigsten Taschengeldregel

Über die Höhe lässt sich diskutieren. Bei diesen Grundregeln sind sich Pädagogen und Familienberater aber weitgehend einig:

1. Regelmäßig und verlässlich zahlen

Taschengeld sollte immer zum gleichen Tag kommen – egal ob Samstag, Monatsanfang oder Freitag nach der Schule. Kinder brauchen Verlässlichkeit. Wenn das Taschengeld mal drei Wochen vergessen wird und dann plötzlich alles auf einmal kommt, lernen sie nichts über Planung.

Kleiner Tipp aus unserer Erfahrung: Wir haben eine Erinnerung im Kalender eingestellt. Klingt banal, hat aber Wunder gewirkt.

Taschengeld vergessen ist ein typisches Mental Load Thema. Wenn du kannst gib es an deinen Partner ab. Und wenn du mehr über Mental Load erfahren möchtest schau mal hier.

2. Niemals als Strafe einbehalten

„Wenn du dein Zimmer nicht aufräumst, gibt es kein Taschengeld“ Das klingt verlockend, ist aber pädagogisch keine gute Idee. Taschengeld ist kein Lohn und kein Druckmittel. Es ist ein Lernwerkzeug. Wird es entzogen, lernt das Kind vor allem: Geld ist etwas Unsicheres, das jederzeit weggenommen werden kann.

Haushaltsaufgaben und Taschengeld sollten getrennte Themen bleiben. Mehr dazu gleich in den FAQ.

3. Nicht an Schulnoten knüpfen

Ähnliches gilt für Schulnoten. „Für jede Eins gibt es 5 Euro extra“ klingt nett, hat aber Nebenwirkungen: Kinder lernen dann für Geld – nicht aus eigenem Antrieb. Die intrinsische Motivation leidet langfristig darunter.

4. Keine Vorschüsse (oder nur mit klaren Regeln)

„Mama, ich hab‘ kein Geld mehr, kannst du mir was vorstrecken?“ Wer kennt das nicht. Grundsätzlich gilt: Wenn das Geld weg ist, ist es weg. Das ist die wichtigste Lektion überhaupt. Wer trotzdem Vorschüsse gibt – und manchmal ist das auch okay –, sollte das als Darlehen behandeln: aufschreiben, wann es zurückgezahlt wird.

5. Nicht reinreden, was damit gemacht wird

Das ist die schwierigste Regel für uns Eltern. Wenn das Kind das ganze Taschengeld für Sticker oder In-App-Käufe ausgibt, zuckt man innerlich zusammen. Aber: Es ist sein Geld. Die Erfahrung, dass nach einem Impulskauf nichts mehr übrig ist, ist wertvoller als jede Standpauke.

Wir dürfen beraten, begleiten, Fragen stellen. Aber entscheiden lassen wir das Kind.

Taschengeld Kinder

Ab wann sollten Kinder Taschengeld bekommen?

Die meisten Experten empfehlen, mit dem Taschengeld zum Schulbeginn zu starten, also mit etwa 6 Jahren. In dem Alter fangen Kinder an, Zahlen zu verstehen, und können die Verbindung zwischen „Ich habe X Euro“ und „Das kostet Y Euro“ herstellen.

Vor dem Schulalter ist spielerisches Üben mit Geld sinnvoller als echtes Taschengeld: Kaufladen spielen, beim Einkauf mithelfen, Münzen sortieren. Das legt das Fundament.

Bei uns haben wir mit kleinen Beträgen angefangen – wirklich klein. 50 Cent pro Woche. Es ging nicht ums Kaufen, sondern darum, das Gefühl zu entwickeln: Das ist meins, ich kann damit entscheiden.

Taschengeld-Tracker: So behalten Kinder selbst den Überblick

Das war bei uns der Game-Changer. Nicht mehr wir den Überblick behalten sondern unser Kind selbst. Ein einfacher Tracker, in den eingetragen wird: Was kommt rein? Was geht raus? Was ist noch übrig?

Klingt simpel – und das ist es auch. Aber wenn ein Kind selbst sieht, wofür es Geld ausgibt, verändert das die Perspektive. Plötzlich fragt es sich selbst: „Lohnt sich das wirklich?“

Ich habe einen kostenlosen Taschengeld-Tracker zum Ausdrucken erstellt. Übersichtlich, kindgerecht und sofort einsatzbereit.

Häufige Fragen zum Taschengeld

Muss ich meinem Kind überhaupt Taschengeld geben?

Nein, gesetzlich verpflichtet sind Eltern nicht. Es gibt keine Vorschrift, die Taschengeld vorschreibt. Allerdings empfehlen Pädagogen und Psychologen es ausdrücklich, weil Kinder, die früh lernen mit Geld umzugehen, im Erwachsenenleben deutlich besser damit zurechtkommen.

Was ist der Taschengeldparagraph?

Der sogenannte Taschengeldparagraph (§ 110 BGB) besagt, dass Kinder und Jugendliche Alltagsgeschäfte selbst abschließen dürfen, wenn sie dafür ihr eigenes Taschengeld verwenden. Ein Kind darf also selbstständig eine Tüte Gummibärchen oder ein Heft kaufen ohne dass die Eltern dem Kauf zustimmen müssen. Das gilt allerdings nicht für größere Anschaffungen.

Was tun, wenn das Taschengeld immer sofort weg ist?

Erstmal: tief durchatmen und nicht einspringen. Das Geld-ist-weg-Erlebnis ist wertvoll. Wer möchte, kann mit dem Kind besprechen, was passiert ist – nicht als Kritik, sondern als Analyse: Wofür war es? Würdest du es wieder so machen? Was wäre anders, wenn du noch 2 Euro übrig hättest?

Der Taschengeld-Tracker hilft hier enorm: Wenn Kinder selbst aufschreiben, wofür sie Geld ausgegeben haben, entwickeln sie nach und nach ein Gespür fürs Planen.

Sollte Taschengeld an Haushaltsaufgaben geknüpft sein?

Das ist eine Frage, über die Eltern wirklich streiten. Meine Meinung: Nein – zumindest nicht direkt. Kinder sollten Aufgaben im Haushalt übernehmen, weil sie Teil der Familie sind, nicht weil sie dafür bezahlt werden. Taschengeld ist kein Lohn.

Was aber funktioniert: Zusatzaufgaben, die über die normalen Pflichten hinausgehen, können extra belohnt werden. Rasen mähen, Keller aufräumen, Fenster putzen. Das sind Dinge, für die man auch einen Nachbarn bezahlen würde. Das fühlt sich für alle fair an. Welche Aufgaben für welches Alter realistisch sind, zeige ich dir in diesem Artikel: Was Kinder im Haushalt helfen können und warum sie es auch tun sollten.

Wie erkläre ich meinem Kind, warum es weniger bekommt als Freunde?

Ehrlich und altersgerecht. „In unserer Familie haben wir andere Möglichkeiten als in anderen Familien“ ist eine ehrliche Antwort. Kinder verstehen mehr als wir denken, wenn wir ihnen die Wahrheit zumuten, anstatt auszuweichen.

Wichtig: Vermeide Vergleiche in beide Richtungen. Weder „Ihr Freund bekommt ja auch nicht mehr“ noch „Wir sind arm“. Bleib bei deiner Familie und deinen Werten.

Taschengeld bar oder auf ein Konto – was ist besser?

Das hängt vor allem vom Alter ab. Bei jüngeren Kindern ist Bargeld klar die bessere Wahl – weil es greifbar ist. Ein Kind, das eine Münze in der Hand hält und sie im Laden abgibt, versteht intuitiv: Das Geld ist jetzt weg. Dieser Effekt fehlt komplett, wenn Zahlen auf einem Bildschirm hin und her wandern.

Ab dem Teenageralter – grob ab 12–14 Jahren – kann ein eigenes Konto sinnvoll werden. Viele Banken bieten spezielle Jugendkonten kostenlos an, oft mit einer Debitkarte. Das hat echte Vorteile: Jugendliche lernen den Umgang mit Karten und Online-Banking, bevor sie volljährig sind und plötzlich alles alleine managen müssen.

Ein schöner Mittelweg für die Übergangsphase: Taschengeld weiterhin bar auszahlen, aber gemeinsam ein Sparschwein oder eine kleine Spardose einführen, in die ein fester Betrag pro Woche wandert. Das macht das Sparen sichtbar und motiviert – viel mehr als eine abstrakte Zahl auf dem Kontoauszug.

Übrigens: Auch wenn das Taschengeld aufs Konto überwiesen wird, lohnt es sich, gelegentlich gemeinsam den Kontostand anzuschauen und zu besprechen, was rein- und rausgegangen ist. Der Taschengeld-Tracker funktioniert übrigens auch digital – einfach ausdrucken, laminieren und mit einem abwischbaren Stift führen.

Was, wenn mein Kind sein ganzes Taschengeld für Süßigkeiten ausgibt?

Kurze Antwort: Das darf es. Zumindest grundsätzlich, denn das Taschengeld gehört dem Kind, und damit auch die Entscheidung, was damit passiert.

Lange Antwort: Natürlich macht man sich als Elternteil Gedanken, wenn jede Woche das gesamte Budget in Gummibärchen und Schokoriegel fließt. Das ist verständlich. Aber auch hier gilt: Eingreifen ist selten die beste Lösung. Viel wirkungsvoller ist das Gespräch – ohne erhobenen Zeigefinger.

Frag dein Kind zum Beispiel: „Du hast diese Woche alles für Süßigkeiten ausgegeben – war das so, wie du es dir vorgestellt hast?“ Oft kommen Kinder von selbst darauf, dass sie sich eigentlich etwas anderes gewünscht hätten, das Geld aber schon weg ist. Dieser Aha-Moment ist unbezahlbar.

Was helfen kann: ein kleines Sparziel setzen. Wenn dein Kind sich etwas Bestimmtes wünscht – ein Spielzeug, ein Buch, ein Ausflug – und dieses Ziel sichtbar ist (zum Beispiel im Taschengeld-Tracker mit Sparzielspalte), fällt es leichter, nicht alles sofort auszugeben. Das ist kein Zwang, sondern Motivation.

Und falls du dir wirklich Sorgen um die Ernährung machst: Das lässt sich auch unabhängig vom Taschengeld regeln – zum Beispiel durch klare Familienregeln, wie viele Süßigkeiten pro Tag okay sind. Das ist eine Erziehungsfrage, keine Taschengeld-Frage.

Eine Frage, die viele Eltern in diesem Alter beschäftigt, ist übrigens auch: Wann ist ein Kind bereit für ein eigenes Smartphone? Wir haben uns für die weiterführende Schule bewusst dagegen entschieden – warum, erzähle ich hier.

Fazit: Taschengeld ist mehr als Geld

Wenn ich heute auf unsere holprigen Anfänge zurückschaue, bereue ich nichts – auch nicht die Fehler. Denn genau durch sie haben wir verstanden, was beim Taschengeld wirklich zählt: nicht der Betrag, sondern die Regelmäßigkeit, die Verlässlichkeit und das Vertrauen, das wir dem Kind geben, wenn wir sagen: „Das ist dein Geld. Du entscheidest.“

Die Taschengeldtabelle gibt dir Orientierung. Die Regeln geben dir Struktur. Und der Taschengeld-Tracker gibt deinem Kind das Steuer in die Hand.

Fang einfach an – auch wenn es am Anfang nicht perfekt klappt. Das ist beim Taschengeld genauso wie im Rest des Familienlebens: Es muss nicht perfekt sein. Es muss nur funktionieren.

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